Gelesene Bücher März 2026
Beverly Jenkins – Indigo
Dieser historische Roman spielt vor dem Bürgerkrieg in Amerika, entwickelt sich aber relativ schnell zu einem Liebesroman. Die Autorin erzählt viel über die Sklaverei, was zwar anstrengend zu lesen ist, aber ohne diese Spannungen wäre das Buch nur halb so gut. Die zwei Hauptprotagonisten Hester Wyatt und ‚Black Daniel‘ – beides Untergrundkämpfer gegen die Sklaverei – sind herausragend und glaubhaft dargestellt. Dabei bleibt die Sprache sehr natürlich und fügt sich in die Zeit als auch die Gepflogenheit ein, was vielleicht verstören kann, aber historisch akkurat ist.
Teilweise erinnerte mich die Story an Stolz und Vorurteil von Jane Austen, allerdings mit mehr Erotik und Sex.
Lese-Empfehlung!
Sameena Jehanzeb – Was Preema nicht weiß
Wie Douglas Adams Universum in eine Millionen glitzerne Fragmente zersplittert und jede einzelne Scheibe still durch den leeren Raum trudelt und eine einzigartige Katastrophe aus Feuer und Verwüstung hinterlässt, so explodiert dieses Buch hinter dem Universum in euren Köpfen, wobei jedes einzelne Teilchen Finsternis der unbändige Rauch aus der Hölle ist, welcher Preema – die Protagonisten aus dem Roman – blendet.
Der Weltuntergang ist geschehen und vollkommen gelöst schwebt die Lichtung im Nichts hinter der Finsternis des zersplitterten Universums. Die Überlebenden fragen sich, was mit ihnen passiert ist, warum sie da sind und warum gerade sie und so viele andere nicht überlebt haben.
So auch Preema Anand, die in dieser Lichtung aufwacht und als einzige von der Katastrophe, welche die Welt verschlang, berichten konnte.
Die Überlebenden haben alle unterschiedliche Theorien, aber ein roter Faden zieht sich durch alle: die Hoffnung, dass die Lichtung nicht das zu sein scheint, was sie vorgibt. Sind es nun Aliens, die versuchen den restlichen Menschen zu helfen? Vielleicht liegen sie wie in Matrix in Röhren und leben in einer virtuellen Welt? Oder sind sie gestorben und die Schatten, welche die Überlebenden wahrnehmen, wiegen dann und wann die Seele und entscheiden, wohin sie kommen: In die Hölle oder in das Paradies.
Während diese Fragen in der Jetzt-Zeit zusammen mit David, einem anderen Überlebenden, erörtert wird, erlebt Preema nach und nach ihre Vergangenheit neu. Und was wird mit ihr passieren, wenn sie die Fragmente ihres Gedächtnis wieder zusammengesetzt hat?
Ein absolut fantastischer Roman, der mich sehr bewegt hat.
Klare Lese-Empfehlung!
Ann Leckie – Das Imperium
Der fulminante Höhepunkt der Trilogie; generell ist diese SF Opera kein leichter Einstieg, da die Handlung sehr verflochten ist, aber sie lohnt sich! Die Perspektive braucht etwas Gewöhnung und die Erzählung wirkt beim ersten Lesen etwas chaotisch, weil a) die KI Gerechtigkeit der Torren überall zugleich ist und b) das generische Femininum verwendet wird (das ist auch im englischen Original so), aber das legt sich mit der Zeit.
Sehr interessant sind die politischen und sozialen Verwicklungen, die eine tiefere Ebene der Bücher eröffnen und den Charakteren eine neue Zwischenschicht geben. Die sprachlichen Mittel im Buch beschränken sich auch nicht auf das generische Femininum und können mit einer distinguierten Poesie und durchaus beeindruckendem Sprachgefühl aufwarten. Insbesonders die Charaktere haben in ihren Konflikten und Motivationen einen originellen und beeindruckenden Ansatz, der bis zum Ende konsequent durchgeführt wird.
Insgesamt auf jeden Fall ein Muss für SF Fans und Lese-Empfehlung!
Talia May – Bis wir verwelken und woanders blühen
Die Erzählung will will zwei Dinge zugleich sein, auf der einen Seite ein Liebesroman mit Plüsch und Samt, Verliebtsein mit rosaroter Brille, auf der anderen ein schwieriges Thema, das bewältigt werden muss. Ich verstehe den verfolgten Ansatz, trotzdem ist die charakterliche Transformation nicht sehr tiefgreifend. Was grundsätzlich okay ist, aber so trägt die Erzählung allein den persönlichen Konflikt, was mit dem zugrundeliegenden Thematik ein wenig antiklimatisch wirkt. Dadurch liegt die eigentliche Dramatik eher im Hintergrund, die konkrete Handlung wirkt deswegen leicht oberflächlich.
Olivia Waite – Hen Fever
Diese Novelle ist kurz und intensiv; mit nur knapp 90 Seiten beeindruckt sie durch einen schnellen Charakteraufbau und flotter Erzählung. Sie verflechtet im Hintergrund den Krimkrieg (1853 bis 1856) mit den Charakterhintergründen, sodass schnell die Motivationen und Konflikte zutage treten. Ein gut pointierter Humor lockert das ganze auf, insbesonders durch den Hühnerzuchtwettbewerb (deswegen auch: Hen Fever), und gibt dem historischen (queeren) Liebesroman eine leichter verdauliche Note mit erwachsenem Flair.
Lese-Empfehlung!
Tasha Suri – The Isle in the silver sea
Ein sehr interessantes Buch, auf der einen Seite ist die Erzählung vielschichtig auf der anderen hat sie einen starken Weltenbau. Großartig sind die Konfliktbewältigungen der Charaktere und die Motivationen wurden präzise herausgearbeitet. Die Twists waren teilweise vorhersehbar aber auch überraschend. Sehr poetisch wirkt das Buch durch seine inhärenten Schicksale und die Verflechtungen mit der Welt. Es ist durchaus mehr Romance als Märchen und Fantasy, aber allein die figurative Tragik in den Schicksalen lässt alle Elemente prägnant erscheinen.
Lese-Empfehlung!
(Erscheint vermutlich Ende 2026 / Anfang 2027 in Deutsch)
Eiko Kadono – Kikis kleiner Lieferservice
Das Buch ist sehr kindgerecht geschrieben, einfache Sätze aber damit auch einfache Probleme, die teilweise erfinderisch oder originell gelöst werden. Mit positiven Attitüden liegt es mehr im Cozybereich. Es beschreibt kleine Abenteuer von Kiki, die natürlich allesamt gut ausgehen. Ein gutes Buch für Erstleser, auch weil es erste Schritte in die Selbstständigkeit darstellt. Das mag zwar sehr simpel beschrieben sein, vermittelt aber durchaus ein wenig Selbstvertrauen in die eigene Zukunft für kleine Leser*innen.