Gelesene Bücher März 2026

Posted by Björn on 1st April 2026 in Allgemein, Buch

Beverly Jenkins – Indigo
Dieser historische Roman spielt vor dem Bürgerkrieg in Amerika, entwickelt sich aber relativ schnell zu einem Liebesroman. Die Autorin erzählt viel über die Sklaverei, was zwar anstrengend zu lesen ist, aber ohne diese Spannungen wäre das Buch nur halb so gut. Die zwei Hauptprotagonisten Hester Wyatt und ‚Black Daniel‘ – beides Untergrundkämpfer gegen die Sklaverei – sind herausragend und glaubhaft dargestellt. Dabei bleibt die Sprache sehr natürlich und fügt sich in die Zeit als auch die Gepflogenheit ein, was vielleicht verstören kann, aber historisch akkurat ist.
Teilweise erinnerte mich die Story an Stolz und Vorurteil von Jane Austen, allerdings mit mehr Erotik und Sex.
Lese-Empfehlung!

Sameena Jehanzeb – Was Preema nicht weiß
Wie Douglas Adams Universum in eine Millionen glitzerne Fragmente zersplittert und jede einzelne Scheibe still durch den leeren Raum trudelt und eine einzigartige Katastrophe aus Feuer und Verwüstung hinterlässt, so explodiert dieses Buch hinter dem Universum in euren Köpfen, wobei jedes einzelne Teilchen Finsternis der unbändige Rauch aus der Hölle ist, welcher Preema – die Protagonisten aus dem Roman – blendet.
Der Weltuntergang ist geschehen und vollkommen gelöst schwebt die Lichtung im Nichts hinter der Finsternis des zersplitterten Universums. Die Überlebenden fragen sich, was mit ihnen passiert ist, warum sie da sind und warum gerade sie und so viele andere nicht überlebt haben.
So auch Preema Anand, die in dieser Lichtung aufwacht und als einzige von der Katastrophe, welche die Welt verschlang, berichten konnte.
Die Überlebenden haben alle unterschiedliche Theorien, aber ein roter Faden zieht sich durch alle: die Hoffnung, dass die Lichtung nicht das zu sein scheint, was sie vorgibt. Sind es nun Aliens, die versuchen den restlichen Menschen zu helfen? Vielleicht liegen sie wie in Matrix in Röhren und leben in einer virtuellen Welt? Oder sind sie gestorben und die Schatten, welche die Überlebenden wahrnehmen, wiegen dann und wann die Seele und entscheiden, wohin sie kommen: In die Hölle oder in das Paradies.
Während diese Fragen in der Jetzt-Zeit zusammen mit David, einem anderen Überlebenden, erörtert wird, erlebt Preema nach und nach ihre Vergangenheit neu. Und was wird mit ihr passieren, wenn sie die Fragmente ihres Gedächtnis wieder zusammengesetzt hat?
Ein absolut fantastischer Roman, der mich sehr bewegt hat.
Klare Lese-Empfehlung!

Ann Leckie – Das Imperium
Der fulminante Höhepunkt der Trilogie; generell ist diese SF Opera kein leichter Einstieg, da die Handlung sehr verflochten ist, aber sie lohnt sich! Die Perspektive braucht etwas Gewöhnung und die Erzählung wirkt beim ersten Lesen etwas chaotisch, weil a) die KI Gerechtigkeit der Torren überall zugleich ist und b) das generische Femininum verwendet wird (das ist auch im englischen Original so), aber das legt sich mit der Zeit.
Sehr interessant sind die politischen und sozialen Verwicklungen, die eine tiefere Ebene der Bücher eröffnen und den Charakteren eine neue Zwischenschicht geben. Die sprachlichen Mittel im Buch beschränken sich auch nicht auf das generische Femininum und können mit einer distinguierten Poesie und durchaus beeindruckendem Sprachgefühl aufwarten. Insbesonders die Charaktere haben in ihren Konflikten und Motivationen einen originellen und beeindruckenden Ansatz, der bis zum Ende konsequent durchgeführt wird.
Insgesamt auf jeden Fall ein Muss für SF Fans und Lese-Empfehlung!

Talia May – Bis wir verwelken und woanders blühen
Die Erzählung will will zwei Dinge zugleich sein, auf der einen Seite ein Liebesroman mit Plüsch und Samt, Verliebtsein mit rosaroter Brille, auf der anderen ein schwieriges Thema, das bewältigt werden muss. Ich verstehe den verfolgten Ansatz, trotzdem ist die charakterliche Transformation nicht sehr tiefgreifend. Was grundsätzlich okay ist, aber so trägt die Erzählung allein den persönlichen Konflikt, was mit dem zugrundeliegenden Thematik ein wenig antiklimatisch wirkt. Dadurch liegt die eigentliche Dramatik eher im Hintergrund, die konkrete Handlung wirkt deswegen leicht oberflächlich.

Olivia Waite – Hen Fever
Diese Novelle ist kurz und intensiv; mit nur knapp 90 Seiten beeindruckt sie durch einen schnellen Charakteraufbau und flotter Erzählung. Sie verflechtet im Hintergrund den Krimkrieg (1853 bis 1856) mit den Charakterhintergründen, sodass schnell die Motivationen und Konflikte zutage treten. Ein gut pointierter Humor lockert das ganze auf, insbesonders durch den Hühnerzuchtwettbewerb (deswegen auch: Hen Fever), und gibt dem historischen (queeren) Liebesroman eine leichter verdauliche Note mit erwachsenem Flair.
Lese-Empfehlung!

Tasha Suri – The Isle in the silver sea
Ein sehr interessantes Buch, auf der einen Seite ist die Erzählung vielschichtig auf der anderen hat sie einen starken Weltenbau. Großartig sind die Konfliktbewältigungen der Charaktere und die Motivationen wurden präzise herausgearbeitet. Die Twists waren teilweise vorhersehbar aber auch überraschend. Sehr poetisch wirkt das Buch durch seine inhärenten Schicksale und die Verflechtungen mit der Welt. Es ist durchaus mehr Romance als Märchen und Fantasy, aber allein die figurative Tragik in den Schicksalen lässt alle Elemente prägnant erscheinen.
Lese-Empfehlung!
(Erscheint vermutlich Ende 2026 / Anfang 2027 in Deutsch)

Eiko Kadono – Kikis kleiner Lieferservice
Das Buch ist sehr kindgerecht geschrieben, einfache Sätze aber damit auch einfache Probleme, die teilweise erfinderisch oder originell gelöst werden. Mit positiven Attitüden liegt es mehr im Cozybereich. Es beschreibt kleine Abenteuer von Kiki, die natürlich allesamt gut ausgehen. Ein gutes Buch für Erstleser, auch weil es erste Schritte in die Selbstständigkeit darstellt. Das mag zwar sehr simpel beschrieben sein, vermittelt aber durchaus ein wenig Selbstvertrauen in die eigene Zukunft für kleine Leser*innen. 

Gelesene Bücher Februar 2026

Posted by Björn on 2nd März 2026 in Allgemein, Buch

Charlotte Bronte – Jane Eyre
Die Erzählung ist hier und da etwas zäh, aber bleibt mMn interessant und prosaisch. Auch wenn es in der Ich-Perspektive geschrieben ist, wechselt manchmal wortwörtlich der Stil und der Leser wird direkt angesprochen („Reader!“ in meiner englischen Ausgabe), um irgendwas zu erklären. Anfangs leicht dogmatisch wird es später mit dem Missionar St. John sehr anstrengend und ideologisch. Wirklich gut fand ich einzig den Charakter von Jane Eyre. Edward Rochester war ein wenig zu sehr eindimensional, dafür war im letzten Drittel St. John zumindest etwas anspruchsvoller in der Ausgestaltung. Mir haben die prosaischen Elemente sehr gefallen, teilweise durch Janes Hobby, das Zeichnen, teilweise durch die intensiven, aber dunklen Beschreibungen der Landschaft.
Persönlich fand ich das Buch sehr gut und schön.

E. M. Hull – The Sheik
Um eins vorwegzunehmen: Ich hasse dieses Buch. Es mag zwar vor 100 Jahren millionenfach verkauft worden sein, aber für mich funktioniert es einfach nicht. Die Erzählung erfüllt nur ein Wunschdenken und entspricht absolut keiner wahren Tatsache über die islamisch/muslimische Kultur. Außerdem sind Vergewaltigungsfantasien mit Stockholm-Syndrom jetzt nicht das, was ich gern lese. Die Prosa mag zwar okay sein, aber insgesamt sind die Charaktere eher ein Fantasiekonstrukt mit orientalischem Anstrich, und man merkt einfach, dass die Autorin absolut keine Ahnung hat, worüber sie schreibt.

Kim Hye-jin – Die Tochter
Es ist ein bittereres Buch; auf der einen Seite die namenlose Mutter, auf der anderen die Tochter, welche nur durch den Spitznamen Green bekannt ist. Es gibt eine weitere Abstraktionsebene mit Tsen, einer alten demenzkranken Dame, welche die Mutter pflegt und Rain, oftmals nur „das Mädchen“ genannt, der Lebensgefährtin ihrer Tochter. Mir gefällt besonders die unsichtbare Erzählebene dazwischen, die eher mit den Handlungen der Charaktere gefüllt werden. Die Mutter, welche sich sorgt, dass ihre Tochter keine Hilfe im Alter erhält, und Rain, die jederzeit bereit ist, der Mutter ihrer Lebensgefährtin zu helfen. Ein sehr starkes Buch, was in der Stille zwischen den Worten scheint und das Aneinander-vorbeireden deutlich thematisiert. Hoffnungen und Motive werden gegeneinander aufgewogen ohne zu einer eindeutigen Antwort zu kommen. Was auch nicht notwendig ist, denn eigentlich spricht das Ende für sich.

Mira Lindorm – Coralee und Baba Jagas Puppe
Insgesamt ist das Finale der Serie sehr gut. Auch wenn es mit 60 Seiten relativ kurz ist, ist es spannend aufbereitet und kann endlich auch Antworten auf die bisherige Handlung geben. Die Charaktere haben mittlerweile ein deutliches Profil und haben ein würdiges Ende gefunden. Ich hoffe, die Serie kann fortgesetzt werden.

Georgette Heyer – The quiet gentleman
Eine fantastische Geschichte; wenig offensichtliche Romantik, aber viel im Subtext. Eine ordentliche Portion Humor rundet diese Intrigengeschichte gut ab. Die Erzählung ist spannend und unterhaltsam, mit gehobenen Sprachgebrauch und liest sich trotzdem gut. Die Charaktere sind unterhaltsam, und haben alle ihre Ecken und Kanten – auch wenn sie hier und da sehr stereotyp beschrieben werden.
Erfrischend und ein wenig anders, hat mir die Lektüre durchaus gut gefallen.

Betty Neels – Tabitha in Moonlight
Ich fand das Buch insgesamt sehr durchschnittlich, die Erzählung fängt relativ langweilig an, wird aber mit der Zeit besser. Es wirkt hier und da sehr formelhaft, aber das hat auch etwas mit den Vorgaben seitens des Verlegers Mills & Boon zu tun. Die Charakter sind irgendwie auch langweilig, Tabitha wirkt leicht neurotisch, und Marius – der reiche Doktor – sehr einnehmend aber ohne großes Profil. Es werden mMn zu viele Klischees bedient, von Tabithas böser Stiefmutter und Stiefschwester bis Marius „Prince Charming“, der sie hofiert und die Angebetete merkt es einfach nicht.
Das Buch ist einfach 08/15, nichts Großes, nichts Kleines – eine kurzweilige Geschichte zum nachher wieder vergessen.

Frank Lauenroth – Delter
Dieses Buch enthält 17 Kurzgeschichten, mal lustig, mal ernst, mal albern, mal actionreich. Mir hat die Mischung gut gefallen, insgesamt sind alle interessant auch wenn der ein oder andere Twist ein wenig vorhersehbar war. Dass mir wenig dazu einfällt, liegt einfach daran, dass die Geschichten alle unterschiedlich sind und das Buch insgesamt sehr abwechslungsreich wirkt. Lese-Empfehlung!
Meine Top 3 sind: „In dubio pro roboto“, „Tubes Inc.“ und „Laden! Zielen! Feuer!“

Gelesene Bücher Januar 2026

Posted by Björn on 3rd Februar 2026 in Allgemein, Buch

Heather Fawcett – Emily Wildes Atlas der Anderswelten
Mit detektivischem Gespür folgt der Roman Emily Wilde, der Feenforscherin. Es ist etwas trocken, aber durchaus gut geschrieben. Fußnoten durchziehen das Tagebuch, was es teilweise wie ein Ausschnitt einer Wissenschaftsarbeit macht (aber der Absicht der Ich-Erzählerin, Emily Wilde, natürlich entgegenkommt). Insgesamt sind die Charaktere sehr interessant und gegensätzlich gestaltet, was das Buch viel Leben einhaucht und die Konflikte hervorhebt. Dabei bleibt die Sprache zwar durchaus schrullig akademisch, aber insgesamt hebt sich dann die prosaische Seite dann besonders hervor.

Roger Zelazny – Die Chroniken von Amber
Die Amber-Chroniken waren von der Erzählung her oftmals sehr schnell, erst im zweiten Band wird das (teilweise etwas zuviel) reduziert. Insgesamt ist die Handlung mit viel Intrigen zwischen den neun Brüdern und vier Schwestern durchwebt, die um den Thron von Amber kämpfen. Die Erzählung verbirgt oft einige Details, die erst später wieder aufgegriffen werden und nach und nach in ein großes Mosaik geknüpft wird. Insgesamt ist die Serie spannend und actionreich, hat aber auch seine lyrischen und poetischen Momente. Die Charaktere sind sehr gut ausgebaut, und da es viele Intrigen gibt, bleibt mir für die Kürze nur zu schreiben, dass die Konflikte und Motivationen durchaus überzeugend sind. Was mir nicht ganz gefallen hat, war die teilweise in die Länge gezogenen Reisen durch die Schatten, und – womöglich durch die alte Übersetzung – teilweise seltsame Formulierungen, z. B. „Steuerrad“ anstatt „Lenkrad“ im Auto. (Es ist Fantasy, das wird aber erst später im ersten Band klar)

Ray Bradbury – Der Katzenpyjama
Das 180 Seiten umfassende Buch enthält 20 Kurzgeschichten von Ray Bradbury aus allen Epochen seines Schaffens. Mit seinem Humor sind die Geschichten teils kurios, teils ernsthaft; manche sind politisch, wenige sozialkritisch. Die Charaktere sind oft Fokus der Geschichte und die Pointe oft perfekt getroffen. Meine Lieblingsgeschichten waren „Der Katzenpyjama“, „Das Haus“ und „Alle meine Feinde sind tot“. In der ersten geht es um eine Katze, die von zwei Menschen gleichzeitig gefunden wird; in der zweiten um ein altes Haus, das der Ehemann gekauft hat, aber die Ehefrau nicht mag; und in der dritten geht es um einen Menschen, der alle seine Feinde verloren hat.

Eliza Haywood – Fantomina: Love in a Maze
War ich sehr neugierig drauf, weil es ein sehr frühes Werk der Romantik ist. Etwas kurz mit knapp 25 Seiten (es gibt wohl auch Ausgaben mit ein paar Illustrationen), aber für seine Zeit durchaus schon „pornografisch“ – dabei geht es mehr um den sozialen Sprengstoff, den die Autorin durch ihre promiskuitive Protagonistin darstellt. Obwohl Fantomina weiß, dass ihre Liebe nicht erwidert wird, versucht sie es trotzdem. Und besonders das Ende ist für diese Zeit unüblich. Nicht ganz so flüssig zu lesen wie Jane Austen, aber das Frenglisch mag etwas anstrengend sein.
PS: Haywood hatte Crébillon gekannt, sie hatte „The sofa“ ins Englische übersetzt.

Jane Austen – Pride and Prejudice
Perfection.
Sicherlich nicht die Romanitk im heutigen Sinn, aber wie Elisabeth und F. Darcy ein „from enemy to lovers“ werden ist ein toller Lesegenuss. Vielleicht nicht für jeden etwas, weil es viele ausufernde Gespräche und Liebesbekenntnisse gibt, aber es ist teilweise lustig wie Jane Austen ihre Satire der damaligen Zeit umgesetzt hat.

Das Buchjahr 2025

Posted by Björn on 31st Dezember 2025 in Allgemein, Buch

Top 3 Jahresfavoriten 2025:
Sarah Adler – Kann Spuren von Geistern enthalten
Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek
Myra Çakan – Dreimal Proxima Centauri und zurück

Empfehlungen für (angehende) Schriftsteller*innen:
Gillian Flynn – Cry baby
Max Porter – Trauer ist das Ding mit Federn
Ayn Rand – Der Ursprung
Octavia E Butler – Xenogenesis (Trilogie)
Emily St. John Mandel – Das Meer der endlosen Ruhe
Ann Leckie – Der Rabengott

Flop des Jahres 2025:
Thomas Preskett Perst – Varney, der Vampir oder das Fest des Blutes
Lia Nilges – Der Kampf um Frieden

Meine gelesenen Bücher in chronologischer Reihenfolge:
Samantha Harvey – Umlaufbahnen
Herbert W. Franke – Die Kälte des Weltraums
Claudia Winter – Die Wolkenfischerin
Bram Stoker – Dracula (EN)
Catherine Strefford – Nur kurz leben
Maud Woolf – Die 13 Tode der Lulabelle Rock
Nadine Lange – Ein Eis mit Jo
Max Porter – Trauer ist das Ding mit Federn
Karen Tidbeck – Jagannath
Paula Volsky – Das weiße Tribunal
Hugh B. Cave – Murgunstrumm
Nnedi Okorafor – Das Buch des Phönix
Peter S. Beagle – Ich fürchte, ihr habt Drachen
Oliver Plaschka – Das Licht hinter den Wolken
Madeline Miller – Galatea
Emily St. John Mandel – Das Meer der endlosen Ruhe
Edward Ashton – Mickey 7
Margaret Cavendish – Die gleissende Welt
Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek
Hannes Riffel – Vor der Revolution
Gene Wolfe – Der fünfte Kopf des Zerberus
Travis Baldree – Magie und Milchschaum
John Ironmonger – Der Wal und das Ende der Welt
Stephen King – Dead Zone
Suzan Palumbo – Countess (EN)
Elya Adair – Melodie der Asche
Sylvana Freyberg – Die Sterne leuchten am Erdenhimmel
Reda El Arbi – empfindungsfaehig
Artur Kunz – Yelena Gans
Myra Çakan – Dreimal Proxima Centauri und zurück
Arkady Martine – Im Herzen des Imperiums
Jules Verne – Reise zum Mittelpunkt der Erde
Bernhard Kempen – Arkadia
Lennox Lethe – Babywitch
Lennox Lethe – Nekrolog
Algernon Blackwood – Angriff auf die Seele
M. P. Shiel – Die purpurne Wolke
Qiu Miaojin – Aufzeichnungen eines Krokodils
Rebecca Campbell – Arborealität
Thomas Preskett Perst – Varney, der Vampir oder das Fest des Blutes
Ursula K. Le Guin – Die Geißel des Himmels
Joanna Russ – Erwachende Welten: Werke 2
Juri Ilkow – Kontakt mit Übermorgen
Graeme Simsion – Das Rosie-Projekt
William King – Flesh to Shadow (EN)
Catherine Strefford – Welcome to my ghost world
Sarah Adler – Rabenaas
G. Börnsen & A. Kelsner – Raumfragmente
Markus Walther – Beatrice
Markus Walther – Bibliophilix
Sameena Jehanzeb – Frozen, Ghosted, Dead
Sarah Adler – Kann Spuren von Geistern enthalten
H. G. Wells – Die Insel des Dr. Moreau
Michael Marrak – Lex Talionis
Michael Marrak – De Profundis
Lord Dunsany – The King of Elfland’s Daughter (EN)
Tricia Levenseller – The shadows between us (EN)
Mira Lindorm – Coralee und die Mardi Gras Geister
Sameena Jehanzeb – Winterhof
Sameena Jehanzeb – Siebensteinthal
Sophie Edina – Wild Heart beats
Walter Moers – Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte
Samuel R. Delany – Das Einstein-Vermächtnis
Romy Wolf – Die Partitur der Gewalt
Daniel F. Galouye – Simulacron-3
Dr. Rami Kaminski – Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen
William Kotzwinkle – Dr. Ratte
Ann Leckie – Der Rabengott
Lars Czekalla – Die Klima-Elfe
Michaela Göhr – Andersträumer
Lia Nilges – Der Kampf um Frieden
Dai Sijie – Der kleine Trommler
Mira Lindorm – Coralee und der Kanalligator
Mira Lindorm – Coralee und das Einhorn-Horn
Theresa Hannig – parts per million
Ayn Rand – Der Ursprung
Xueting C. Ni – Sinophagia (EN)
Jennifer Dugan – The girl of her dreams
Kurt Vonnegut – Die Sirenen des Titan
Gillian Flynn – Cry Baby
Clive Barker – Das Sakrament
Marco Harnisch – Vertuscht
Kat & Steve Nolte – Die Präsenz
Octavia E. Butler – Xenogenesis
P. Djèlí Clark – Der Spuk in Luftbahnwagen 015

Gelesene Bücher Dezember 2025

Posted by Björn on 31st Dezember 2025 in Allgemein, Buch

Xueting C. Ni – Sinophagia
Außer einer Story fand ich alle Kurzgeschichten wirklich sehr gut, und die eine die mir nicht so gefiel: Da waren die Namen so ähnlich, dass mich die Handlung eher verwirrt hatte. Reich an chinesischer Kultur enthält die Lektüre interessante Ansichten über das Leben, die Liebe und die Ängste eines Volkes. Die unheimliche Geschichten kriechen unter die Haut unter hinterlassen hier und da ein Gruselgefühl. Die Notizen von Xueting C. Ni nach jeder Geschichte sind aufschlussreich und bringen einen faszinierenden Einblick in die Denkweise. Meiner Ansicht nach eine gelungene Anthologie, die ich sehr empfehlen kann.

Jennifer Dugan – The Girl of her Dreams
Das Buch ist auf den zweiten Blick tiefer als gedacht. Auch wenn die Charaktere teils etwas überzeichnet sind, verbirgt sich hinter jedem Konflikt eine Motivation, die zu einer neuen Hürde in der Geschicht wird. Die Selbstzweifel von Lizzie sind authentisch dargestellt, auch wenn ich denke, dass manche Eloquenz bei ihrem Lebenslauf nicht passt. Die Erzählung selbst ist natürlich typisch Liebesroman, aber sie überzeugt durch Dramatik und den teils egomanischen Zügen reicher Menschen, die nicht viel nachdenken bevor sie handeln.
Ich fand es bis zuletzt unterhaltsam.

Kurt Vonnegut – Die Sirenen des Titan
Dieser Roman ist ein Zeugnis von der Vonneguts Kriegserlebnissen aus der Nazi-Zeit, mit teils absurden bis bizarren Ideen, welche den ironischen Spott von Douglas Adams und dem politischen Kalkül von Terry Pratchett verblassen lassen.
Die Geschichte läuft in einem teils eloquenten, teils neutralen Ton ab; hier und da unterbricht sie sich für Erklärungen oder Erläuterungen. Wie eine Zwiebel schichten sich die Facetten der handelnden Personen um die Kapitel, in denen die Pointen den Zeigefinger heben, nur um dann im nächsten Augenblick die Situation noch kafkaesker zu machen. Die Charaktere sind einzigartig, die Konflikte und Schwächen offenbaren schnell die Unsicherheiten – und türmen sich bei den Lesern schnell als große Fragen des Lebens auf, welche im Roman aufgegriffen werden und im Laufe der Kapitel mal als sinnvoll, sinnlos oder – zwischen den Zeilen – beides beantwortet werden.
Insgesamt ist das Buch meisterhaft erzählt und in Szene gesetzt, definitiv eine Leseempfehlung!

Gillian Flynn – Cry baby
Was für ein Buch! Ich dachte schon mit Seite 107, ich wüsste alles, aber es kamen immer mehr Infos zusammen und erst zum Ende hatten sich die Puzzlestückchen zusammengesetzt. Worte, die nicht nur im übertragenen Sinn unter die Haut gehen, setzen das ganze Geschehen nicht nur plastisch sondern auch psychologisch geschickt in einen festen Rahmen, lassen die Leser erstmal glauben, was die Leser glauben wollen. Die Charaktere sind hervorragend in Szene gesetzt, meisterlich in der Komposition zwischen Motivation und Konflikt, sozialen Umfeld und Maskenspiel.
So geht gute Erzählkunst, absolut empfehlenswert!

Clive Barker – Das Sakrament
Das Buch ist langsam, und eigentlich beginnt es erst so richtig ab der Hälfte. Es ist hier und da etwas obszön, Sex wird zwar nicht großgeschrieben, ist aber ein wesentlicher Faktor der Geschichte. Aber so verschlungen die Erzählung ist, und so viel Worldbuilding in behäbiger Manier aufgebaut wird, so unaufgeregt ist es zwischendurch und kann nur durch interessante Facetten hervorstehen. Haarscharf geb ich der Erzählung ein sehr gut, weil sich zum Ende hin sehr viele Puzzleteile, die ich bislang eher für unwichtig erachtete, zu einem großen Ganzen zusammenbauen. Es gibt ein paar seltsame Logiklücken, und das sprachliche Geschick lässt zu Wünschen übrig – durch die sehr ausschweifende Ader Barkers sehe ich viel Potential, zu kürzen, aber unter dem Strich wären es vielleicht nur 100 Seiten gewesen (von 600). Wirklich hervorragend sind die Charaktere, die das Buch bevölkern, lebhaft und mit eigener Stimme und Motivation die Spannung aufrecht erhalten, wenn auch nur hier und da mit Cliffhangern zum Kapitelende.
Insgesamt ist es eher ein Mystery Buch als ein Horrorbuch.

Marco Harnisch – Vertuscht
Insgesamt ist die Story durchaus gut, und die Charaktere sind gut dargestellt, mit Konflikten und die Motivation, so zu handeln wie sie es tun.
Aber die Erzählung macht leider ein wenig zu oft ein deus ex machina, das die handelnden Charaktere mehr unverdient als erarbeitet eine Lösung vorgesetzt bekommen. Es gibt so gut wie kein Foreshadowing, die Kapitel zerstreuen sich um immer neue Probleme, anstatt bei einem zu bleiben.
Für einen Liebesroman durchaus gut, aber die Handlung bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Kat und Steve Nolte – Die Präsenz
Die Erzählung ist eine Mischung aus Pulp und Horror, mit jeder Menge dumme Sprüche. Insgesamt schafft es das Buch nicht ganz ein einheitliche Geschwindigkeit herzustellen, sodass es teilweise langweilig wirkt. Man kann viele Einflüsse darin erkennen, von Raymond Chandler bis HP Lovecraft, Indiana Jones bis Resident Evil, aber leider gibt es mehr Fanservice als eigenständige Konstrukte. Die Sprache selbst ist teilweise sehr gut, wird aber mit jeder Menge dummen Geschwätz bombardiert, die eher die Pulptraditionen bedienen – so wie Quentin Tarantino es teilweise macht. Es mag Coolness ausstrahlen, macht das Buch aber deswegen nicht besser.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und wirken durchaus lebensecht, insbesondere durch ihr Lokalkolorit aus dem Kölner Raum und dem Ruhrpott. Tillmann und Sarina sind nachvollziehbar aber natürlich sehr film noir und eher darauf getrimmt, Stimmung zu machen, d.h. die Charakterentwicklung ist eher flach als wirklich transformativ.

Octavia E. Butler – Xenogenesis
Dieser Tausendseitenband besteht aus den drei Büchern, in denen jeweils die erste, zweite und dritte Generation einer Xenogenese – dem Austausch mit Aliens und einer neuen Evolution der Menschheit – erzählt wird. Es ist mehr eine Sozialstudie, die in ihren faszinierenden Aspekten psychologische Details zutagefördert, die wir Menschen uns teilweise nicht eingestehen. Obwohl auf großartige Action verzichtet wird, ist die Geschichte vollgepackt mit Konzepten, Ideen und dem „Inneren Konflikt“, der sich über alle drei Bücher erstreckt. Die Sprache und insbesonders die Wortwahl ist in fast schon pathetischen Sinn hervorragend abgestimmt auf die Menschen und die Oankali, dem Alienvolk. Mit feinem Sinn für Details werden die Charaktere fast schon unvergesslich dargestellt. Dass gerade die Menschen tiefstapeln und in ihrem inneren Konflikt hängenbleiben ist wohl die ganze Krux am Buch. Absolute Leseempfehlung.

P. Djèlí Clark – Der Spuk in Luftbahnwagen 015
Mit viel Liebe zum Detail wird die Urban Fantasy (fast schon Steampunk-) Welt in Kairo des Jahres 1912 lebendig. Mit fast schon britischen Charakteren konterkariert der Autor in den zwei Kurzgeschichten eine bestimmte Marke mit dem ägyptische Ministerium für Alchemie, Verzauberungen und übernatürliche Wesen. Natürlich ist er Fan, aber der eigene Twist in seinen Erzählungen (eine Kurzgeschichte, eine Novelle) sind erfrischend anders und par excellence fast schon eine Blutgrätsche gegen die Autorin, die ich hier nur andeute. Gerade im arabischen Raum kenne ich mich nicht gut genug aus, aber dieses kleine Büchlein überzeugt mich vollständig, so dass ich mir unbedingt seinen Debütroman „Meister der Dschinn“ zulegen muss.

Gelesene Bücher November 2025

Posted by Björn on 3rd Dezember 2025 in Allgemein, Buch

Mira Lindorm – Coralee und das Einhorn-Horn
Die Reihe wird zum Ende hin gut. Die Charaktere blühen ein wenig mehr auf, und die Story ist nicht allzu überbordend wie früher. Die Geschichte hat ein wenig mehr Struktur und ist dichter erzählt. Der Weltenbau steht wieder etwas mehr im Fokus. Nicht für jede(n) was, aber irgendwie wurde sie zu meinem Guilty Pleasure.

Theresa Hannig – parts per million
In einem Deutschland der nahen Zukunft angesiedelt schafft es die Erzählung die Leser direkt in den Bann zu schlagen, nicht nur durch aktuelle Thematik der Klimakrise, sondern auch durch die Motivation der Protagonistin (Johanna Stromann). Die Konflikte, die sie durchzustehen hat – und überwindet – sind sehr ausgeprägt und nachvollziehbar. Teilweise hatte ich schlaflose Nächte ob der Ungerechtigkeiten im Buch, aber dafür mehr Schadenfreude wenn es erstmal richtig losgeht.
Aktuell, spannend und kämpferisch hat es zurecht den SERAPH dieses Jahr gewonnen.

Ayn Rand – Der Ursprung
Die Charaktere im Buch mögen etwas ins Extreme gehen, aber so wirkt die Komposition wesentlich Dramatischer. Es ist ein Epos, eine Hymne, ein Ideal, was das Buch repräsentiert und hochhält. Die Erzählung ist nicht nur durchdacht, sie ist stringent und für seine Zeit sogar ziemlich kinky. Das Buch ist eine Vision, setzt Maßstäbe an den Menschen, die man sich als Ideale wünscht, aber in der Wirklichkeit nur selten sieht: Integrität und völlige Unabhängigkeit.
Die Erzählung ist teils sehr langsam und behäbig, aber dafür mit einer Eleganz und Eloquenz behaftet, die nur wenige Autoren beherrschen. Es setzt in seiner Sprache Akzente, die teilweise nur beim bewussten Lesen wirklich hervorstechen – in Dialogen und Beschreibungen. Manche Dialoge sind stakkatoartig, manche ziehen sich in die Länge – je nachdem wer gerade wo mit wem spricht.
Es mag zwar teilweise (insbesonders mit den seltsamen Namen) etwas altbacken wirken, aber es hat tatsächlich in der heutigen Zeit mehr denn je Relevanz.
Insgesamt durchaus ein lesenswertes Buch, auch wenn es sich teilweise etwas gestreckt anfühlt.